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Ernährungspolitik:

Parlamentarisches Frühstück bringt führende Akteure an einen Tisch – große Bereitschaft zum gemeinsamen Handeln 


Wie gelingt ein wirksamer Kurswechsel in der Ernährungspolitik? Diese Frage stand im Zentrum  eines parlamentarischen Frühstücks, zu dem der Tagesspiegel und das Lebensmittelunternehmen Danone Deutschland in den Deutschen Bundestag geladen hatten. Unter dem Titel „Neustart in der Ernährungspolitik“ kamen führende Vertreter:innen aus Politik, Verbänden, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Ziel des Formats war ein offener, vertrauensvoller Austausch –  auch jenseits bereits festgelegter Koalitionspositionen.

Danone Deutschland brachte sich mit wissenschaftlich fundierten Vorschlägen und einer klaren wirtschaftlichen Perspektive aktiv in die Diskussion ein. Ziel war es, Debatten anzustoßen, Konsens zu ermöglichen und konkrete Schritte hin zu einer gesundheitsfördernden Ernährungspolitik einzuleiten.

Gesunde Ernährung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die Diskussion machte deutlich: Gesunde Ernährung ist längst keine Privatangelegenheit mehr – sie ist zu einer der gesellschaftlichen Herausforderungen überhaupt geworden. Immer mehr Menschen leiden an ernährungsbedingten Krankheiten, soziale Ungleichheiten verstärken sich, die Kosten für das Gesundheitssystem steigen. In der neuen Legislaturperiode will und muss die Politik gegensteuern – mit neuen Konzepten, gezielteren Maßnahmen und einem offeneren Dialog mit Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Einigkeit über Handlungsbedarf

In der offenen Diskussion vor Ort im Bundestag war eine große Bereitschaft und Konsens wahrzunehmen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um dem massiven Anstieg von ernährungsbedingten Krankheiten endlich entgegenzuwirken.   Der Ernst der Lage macht deutlich: Es braucht entschlossenes Handeln – nicht zuletzt, um das Leid ernährungsbedingter Erkrankungen zu verringern und die ohnehin stark beanspruchten Sozialsysteme nachhaltig zu entlasten. Zum Auftakt skizzierten Bundestagsabgeordnete aus SPD, CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen ihre ernährungspolitischen Prioritäten. Für die Regierungskoalition sprachen Franziska Kersten (SPD) und Albert Stegemann (CDU/CSU), für die Opposition Zoe Mayer (Grüne). Ergänzt wurde die Diskussion durch wissenschaftliche Perspektiven von Prof. Martin Smollich (UKSH) sowie durch die wirtschaftliche Perspektive von Stefan Stohl (Danone DACH).

Bildung, Besteuerung, Verbraucherinformation

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle der Ernährungsbildung. Einigkeit herrschte darüber, dass Bildung früh ansetzen muss – etwa durch gezielte Angebote in Kitas und Schulen. Gleichzeitig wurde betont, wie schwer es ist, Kinder und Jugendliche aus vulnerablen Gruppen zu erreichen – obwohl gerade diese Kinder besonders gefährdet sind.

Breite Zustimmung erhielt auch der Vorschlag, pflanzliche Milchprodukte künftig steuerlich mit Kuhmilch gleichzustellen. Die derzeitige Besteuerung mit 19 Prozent gegenüber sieben Prozent für tierische Produkte sei nicht nur schwer nachvollziehbar, sondern gesundheitspolitisch sogar widersprüchlich. So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren und mehr pflanzliche Lebensmittel in den Alltag zu integrieren.

Auch Verbraucherinformation war ein zentrales Thema. Um Menschen zu befähigen, im Alltag gesündere Entscheidungen zu treffen, brauche es klare, verständliche Orientierung. Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wurden gelobt, vereinzelt wurde sogar eine verpflichtende Anwendung im Bildungssystem gefordert.

Anreicherung und Verarbeitung – differenziert diskutiert

Diskutiert wurde auch die Anreicherung pflanzlicher Produkte mit Nährstoffen wie Calcium oder Vitamin B12. Der Grundtenor: Diese Entwicklungen sind aus ernährungsphysiologischer Perspektive zu begrüßen – und sollten durch staatliche Informationskampagnen gestärkt werden, um Verunsicherung zu vermeiden und gesundheitliche Vorteile sichtbarer zu machen.

Auch die Debatte um sogenannte hochverarbeitete Lebensmittel wurde differenziert geführt. Fachlich wurde deutlich: Entscheidend sei nicht der Verarbeitungsgrad, sondern die konkrete ernährungsphysiologische Zusammensetzung. Pauschale Ablehnung sei deshalb wenig zielführend.

Politischer Rückenwind für konkrete Schritte

Das parlamentarische Frühstück hat gezeigt: Die Bereitschaft zum Dialog ist da, das Problembewusstsein ebenfalls. Was jetzt zählt, ist der nächste Schritt – von der Diskussion zur Umsetzung. Die Herausforderungen sind komplex, aber geeignete Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Es geht nun darum, mutige Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Alle Teilnehmenden zeigten sich offen und konstruktiv – und einig in dem Wunsch, Ernährungspolitik künftig stärker an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten. Denn Ernährungspolitik ist kein Randthema – sie ist zentral für Gesundheit, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit. Der Moment, sie neu zu denken, ist jetzt.
 

Verfasst von Marvin-Berfo Günyel, Tagesspiegel.


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