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Interview

Nachhaltige Höchstleistung

Motorsport gilt als Inbegriff von Geschwindigkeit und Ressourcenverbrauch – Nachhaltigkeit scheint dort fehl am Platz. Doch genau hier entstehen Innovationen, die Michelin testet und in die alltägliche Mobilität überführt. Bis zu 200 Materialien stecken in einem Reifen, jedes trägt zu Sicherheit, Langlebigkeit und Effizienz bei. Cyrille Roget, Director Scientific & Innovation Communication bei Michelin, erklärt im 100 Tage-Interview, wie aus Forschung unter Extrembedingungen Fortschritte für klimafreundliche Mobilität entstehen.

Herr Roget, Motorsport und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?
Die Rennstrecke ist für uns ein reales Forschungslabor. Dort können wir neue Materialien und Technologien unter extremen Bedingungen testen – und auf Basis dieser Daten Reifen für die Straße entwickeln. Viele Innovationen, die später in Serienreifen stecken, sind zuerst auf der Rennstrecke gefahren. Ohne diese Erfahrungen wären Fortschritte in Sicherheit, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit kaum möglich.

„Die Rennstrecke ist unser Labor, um Innovationen voranzutreiben.“
Cyrille Roget, Director Scientific & Innovation Communication, Michelin

200 Materialien in einem Reifen – braucht es das wirklich?
Ja – denn ein Reifen ist ein Paradebeispiel für Verbundwerkstoffe. Jedes einzelne Material erfüllt eine hochspezialisierte Aufgabe, sei es Grip, Stabilität, Energieeffizienz oder Langlebigkeit. Michelin hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens 40 % nachhaltige Materialien einzusetzen – und langfristig auf 100 % zu kommen. Schon heute befinden sich unter diesen 200 Materialien Stoffe wie recycelte Reifen, Orangenschalen oder Sonnenblumenöl, um fossile Materialien zu ersetzen.

Was bedeutet Klimaneutralität 2050 für die Produktion konkret?
Die Reifenindustrie ist energieintensiv, doch wir senken den Verbrauch, stellen auf erneuerbare Energien um und machen uns z. B. beim Wasserbedarf unabhängiger von öffentlichen Netzen. Ziel: künftigen Generationen sichere, klimaneutrale Mobilität zu ermöglichen.

Zur Einordnung: Der Motorsport dient Michelin als reales Forschungslabor. Unter Extrembedingungen – Hitze, Geschwindigkeit, Belastung – werden neue Materialien und Technologien getestet. Die dabei gewonnenen Daten fließen direkt in die Entwicklung von Alltagsreifen ein. So entstand etwa der Einsatz von Orangenschalen als nachhaltige Komponente in Gummimischungen – ein Beispiel dafür, dass Innovation oft dort entsteht, wo die Belastung am größten ist.

Euro-7 und Partikelverlust – wie ist Michelin vorbereitet?
Unsere Reifen weisen bereits heute bis zu 26 % weniger Partikelverlust auf als der Durchschnitt im Premium-Segment. Nachhaltige Innovation wird entscheidend.

Nutzung bis zur Mindestprofiltiefe – was bringt das?
Würden Reifen bis 1,6 mm Profiltiefe gefahren, ließen sich in Europa jährlich rund 128 Mio. Altreifen vermeiden – das entspricht bis zu 6,6 Mio. t CO₂. Viele Reifen werden vorzeitig entsorgt, obwohl Profil noch vorhanden ist. Bewusstsein und Qualität lohnen sich – für Sicherheit und Nachhaltigkeit.

Blick nach vorn – woran arbeiten Sie gerade?
Michelin entwickelt auch Lösungen für kritische Anwendungen – von Förderbändern im Bergbau über Dichtungen für Flugzeugbremsen bis hin zu Materialien für den Weltraum. Und wir forschen an Werkstoffen, die eines Tages Astronaut:innen auf dem Mond schützen könnten.

Ob auf der Rennstrecke, auf der Straße oder eines Tages im All: Innovation bleibt der Schlüssel zu nachhaltiger Mobilität.

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