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Corteva-Chef im Interview

"Innovation in der Landwirtschaft ist eine Chance für Deutschland"

Rudolf Fuchs, Geschäftsführer von Corteva für Deutschland, Österreich und die Schweiz, erklärt im Interview, wie Wissenschaft und Innovation Landwirten helfen können, die heutigen Herausforderungen zu meistern und die Zukunft der Landwirtschaft für Deutschland zu sichern.

Herr Fuchs, wie kann Innovation deutschen Landwirten helfen, den Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft zu begegnen? Und kommen die neuen Technologien rasch genug in den Markt?

Landwirte brauchen Lösungen, die ihnen helfen, mit Wetterrisiken, neuen Schaderregern und neuen Vorgaben umzugehen. Wir sehen hierzulande ein Umfeld, das solche Innovationssprünge eigentlich traditionell begünstigt: Forschung und Technik haben einen hohen Stellenwert. Deshalb passt Deutschland gut zu uns. Corteva arbeitet seit jeher forschungsorientiert und investiert täglich rund vier Millionen Dollar in neue Verfahren und Produkte.

Die Herausforderung, der wir in der Landwirtschaft gegenüberstehen, ist nicht der Mangel an Ideen, sondern die Geschwindigkeit, mit der Innovationen das Feld erreichen. Wenn wir wollen, dass deutsche Landwirte global wettbewerbsfähig bleiben, brauchen wir einen effizienten regulatorischen Rahmen, der neue Technologien schnell genug willkommen heißt.

Corteva investiert erheblich in neue genomische Techniken (NGTs). Könnten Sie kurz erklären, was diese Technologie so bahnbrechend macht?

Neue genomische Techniken erlauben es, einzelne Gene einer Pflanze sorgfältig und gezielt zu verändern. Dies kann man sich in etwa so vorstellen, als ob in einem sehr umfangreichen Buch einzelne Wörter, anstatt des gesamten Textes umgeschrieben werden würden.

Ein großer Gegensatz zur traditionellen Züchtung ist die Geschwindigkeit. Bei traditionellen Methoden vergingen oft viele Jahre bis die gewünschten Eigenschaften erreicht wurden. Jetzt geht das in einem viel schnelleren Tempo.

Es handelt sich also um einen entscheidenden Fortschritt, weil diese Technologie die Landwirtschaft dauerhaft revolutionieren wird, indem sie Pflanzen widerstandsfähiger, nachhaltiger und produktiver macht.

Inwiefern kann diese Innovation die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft verbessern?

Genomeditierte Pflanzen werden extremes Wetter besser aushalten, weniger anfällig für Schädlinge sein und Krankheiten häufiger widerstehen. Das wird Landwirten langfristig mehr Sicherheit verschaffen.

Die Vorteile reichen aber über den einzelnen Hof hinaus. Wenn Pflanzen Wasser und Nährstoffe effizienter nutzen, steigt die Produktivität, und die Landwirtschaft kann Ressourcen schonender einsetzen. Gleichzeitig entstehen neue Optionen, etwa robustere Sorten für Spezialkulturen oder Varianten, die besser mit häufiger auftretenden Klimaextremen zurechtkommen.

Technologien wie die Genomeditierung können außerdem dazu beitragen, dass Lebensmittel in Deutschland auch langfristig zu vernünftigen Preisen angebaut werden können.

 

Apropos Ernten – wie entwickelt sich Innovation im Pflanzenschutz?

Der Druck auf die Landwirtschaft nimmt zu. Schädlinge und Krankheiten breiten sich schneller aus, manche – wie etwa die Glasflügelzikade – waren in Deutschland bis vor Kurzem kaum bekannt. Landwirte brauchen deshalb Werkzeuge, die auf neue Bedrohungen reagieren können.

Zum einen arbeiten wir deshalb an Wirkstoffen, die gezielt dort ansetzen, wo Pflanzen tatsächlich gefährdet sind. Und das präziser und schonender als viele ältere Verfahren. Zum anderen entwickeln wir biologische Ansätze, die die natürlichen Abwehrkräfte einer Pflanze stärken. Beides ergänzt sich: Schutz von außen, Stärkung von innen.

Damit diese Lösungen in die Praxis kommen, müssen aber auch die Regeln mithalten. Behörden müssen Zulassungen sorgfältig prüfen, zugleich jedoch ermöglichen, dass neue Technologien Betriebe rechtzeitig erreichen.

Die Landwirtschaft ist ebenfalls ein wichtiger Akteur im Energiewandel. Wie kann Innovation in der Landwirtschaft zu nachhaltigen Kraftstoffen beitragen?

Biokraftstoffe können einen Teil dazu beitragen, Emissionen im Verkehr zu senken. Auch solche, die für nachhaltigen Flugkraftstoff genutzt werden. Die Landwirtschaft spielt dabei eine naheliegende Rolle, weil sie Pflanzen anbaut, aus denen die Rohstoffe dafür gewonnen werden können.

Weltweit nutzen viele Landwirte  dafür bereits Zwischenfrüchte etwa in Brasilien oder den USA. Sie wachsen zwischen zwei Hauptkulturen, liefern Öl für Biokraftstoffe und hinterlassen Pflanzenreste, die als Futtermittel verwendet werden können. Energie- und Nahrungsmittelproduktion schließen sich dabei nicht aus.

Für die hiesigen Betriebe wäre allerdings wichtig zu wissen, unter welchen politischen und regulatorischen Bedingungen solche Modelle künftig möglich sein könnten. Das gilt ebenso für die Züchtungsunternehmen, die diese Pflanzen entwickeln: Hier brauchen die Unternehmen eine klare Perspektive.

Was sollten politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit über Innovation in der Landwirtschaft verstehen?

Innovation bestimmt die Landwirtschaft seit ihren Anfängen. Von der Domestizierung wilder Gräser vor Tausenden von Jahren über die Düngemittelrevolution bis hin zu heutigen Genomeditierung und gezielten Pflanzenschutzlösungen.

Das ist der einfache Grund, warum Landwirte immer mehr Nahrung auf immer weniger Fläche anbauen können. Und dieser Innovationsbedarf wird auch künftig weiter bestehen, denn die Weltbevölkerung wächst weiterhin, und der Druck auf natürliche Ressourcen steigt. 

Stabilere Ernten, verlässlichere Preise und ein geringerer ökologischer Fußabdruck sind daher Vorteile, von denen am Ende die gesamte Gesellschaft profitiert.

 

Mit Blick auf die Zukunft: Wie sieht die Landwirtschaft in zehn Jahren aus?

In Zukunft wird Landwirtschaft nicht nur nach Erträgen bewertet, sondern auch danach, welchen Beitrag sie zur Ernährungssicherheit und zu Umweltzielen leistet. Landwirte werden mehr und widerstandsfähigere Feldfrüchte ernten können. Mit dem passenden regulatorischen Rahmen kann die Landwirtschaft dabei helfen, Lösungen für größere gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Gelingt uns das Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Praxis, dann kann Deutschland in diesem Bereich eine führende Rolle übernehmen.

 

Über Rudolf Fuchs

Rudolf Fuchs ist seit 2020 Geschäftsführer von Corteva Agriscience für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zuvor leitete er das Geschäft von Dow AgroSciences in Nord- und Mitteleuropa und leitete die DACH-Region bis zur Fusion mit DuPont. Seit seinem Eintritt in das Unternehmen im Jahr 2001 hatte er verschiedene Führungspositionen in den USA, Frankreich und der Schweiz inne. Fuchs hat einen Abschluss in Agrarwissenschaften von der Technischen Universität München (TUM).

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